Neuere Verhütungsmittel
Das Prinzip der hormonellen Verhütung ist, dass dem Körper durch Hormongabe eine Schwangerschaft vorgegaukelt wird. Es kommt somit nicht mehr zu einem Eisprung. Die verwendeten Wirkstoffe imitieren zwei Hormonarten: die Estrogene (ehemals Östrogene genannt) und die Gestagene.
Die Estrogene fördern das Wachstum der weiblichen Geschlechtsmerkmale und den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, damit sich eine befruchtete Eizelle einnisten und wachsen kann. Damit den männlichen Samenzellen die Befruchtung erleichtert wird, bewirken die körpereigenen Estrogene, dass sich der Schleim im Gebärmutterhals verflüssigt. Das wichtigste Gestagen ist das körpereigene Progesteron. Sobald die Eizelle in Richtung Gebärmutter unterwegs ist, sorgt das Hormon dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut für eine Einnistung bereit ist. Während der Schwangerschaft wird das Progesteron von der Plazenta gebildet. Es verhindert einen neuen Eisprung.
Zusätzlich wird der Schleim des Gebärmutterhalses so weit verdickt, dass keine Spermien mehr eindringen können.
Nach drei Wochen wird die Einnahme der Antibabypille unterbrochen, eine Abbruchblutung setzt ein.
Antibabypillen mit einer Kombination aus Estrogenen und Gestagenen sind weit verbreitet. Die so genannte Minipille enthält nur Gestagene - einer ihrer wichtigsten Nachteile ist, dass sie jeden Tag zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden muss.
Das Vertrauen in die Pille ist groß, denn sie gilt als zuverlässige Verhütungsmethode. Die Sicherheit der Verhütungsmethoden wird mit dem Pearl-Index (siehe Kasten) angegeben. Sie liegt bei den Kombinationspräparaten normalerweise zwischen 0,2 bis 0,5. Die modernen Mikropillen zeichnen sich nicht nur durch einen sehr stabilen Zyklus aus, sondern auch durch eine äußerst geringe Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden, ihr Pearl-Index liegt bei 0,09.
Viele Frauen wollen nicht jeden Tag an die Verhütung denken. Neuere Verhütungsmethoden machen ihnen das Leben leichter.
Verhüten mit dem Hormonring
Nicht mehr täglich, sondern nur noch alle drei bis vier Wochen steht das Thema Verhütung mit einem Hormonring auf dem Terminkalender. Er enthält Estrogene und Gestagene und ist mit einem Pearl-Index von 0,65 genauso sicher wie die Pille. Bisher enthielten die Präparate, die über eine längere Zeit ihre Wirkstoffe an den Körper abgeben (beispielsweise Hormonspirale oder Dreimonatsspritze) nur einen Bestandteil, das Gestagen.
Der biegsame und transparente Kunststoffring gibt langsam seine beiden Wirkstoffe ab. Sie werden direkt von der Scheidenschleimhaut aufgenommen und im Kreislauf verteilt, so dass geringere Mengen nötig sind als bei entsprechenden oralen Kombinationspräparaten. Selbst bei Durchfall oder Erbrechen ist die Wirkung nicht beeinträchtigt. Die Handhabung ist einfach: Die Frau führt den Ring wie einen Tampon in die Scheide ein. Dass der Ring genau platziert wird, ist im Gegensatz zur Spirale für die Wirksamkeit nicht wichtig. Nach drei Wochen wird er wieder heraus genommen und mit dem Hausmüll entsorgt. Nach einer Woche Pause für die Regelblutung wird möglichst an demselben Wochentag ein neuer Ring eingesetzt - auch wenn die Blutung noch nicht beendet ist. Tampon und Ring können gleichzeitig getragen werden. Rutscht der Ring einmal versehentlich heraus, wird er mit Wasser abgespült und wieder eingeführt. Bis zu drei Stunden darf eine Ringpause dauern, ohne die Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Auch die Periodenblutung kann durch den Hormonring verschoben werden. Dafür bleibt der Ring entweder eine Woche länger liegen oder der neue wird nach drei Wochen ohne Regelpause eingesetzt.
Wer aus medizinischen Gründen keine Pille nehmen soll, sollte allerdings auch den Hormonring nicht anwenden, denn es gelten die üblichen Gegenanzeigen für hormonhaltige Kontrazeptiva. Einen Nachteil hat der Verhütungsring: Er ist keine Barrieremethode und bietet daher keinen Schutz vor Ansteckung vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie Kondome.
Verhütungspflaster
Relativ neu ist ein Verhütungspflaster. Einmal pro Woche wird es auf die Schulter, den Po oder den Oberarm geklebt und gibt über eine Woche seine Hormone ab. Nach drei Wochen wird eine einwöchige Pause eingelegt, es kommt zur Abbruchblutung. Baden und Duschen sollen problemlos möglich sein, die Sicherheit des Verhütungspflasters wird wie die der Pille eingestuft.
Langfristig sicher: das Implantat
Langfristigen Schutz bietet ein Implantat. Das streichholzgroße Stäbchen enthält nur ein Gestagen und gibt es drei Jahre lang kontinuierlich ab. Täglich wird etwa ein Drittel der Wirkstoffmenge freigesetzt, die mit den verwandten Minipillen geschluckt werden müsste. Spätestens aber nach drei Jahren, muss es ausgetauscht werden.
Als Implantat muss der Streichholz von einem Arzt eingesetzt werden. Ein Hautschnitt ist nicht nötig, aber eine örtliche Betäubung wird empfohlen. Mit einem Applikator unter die Haut geschoben, liegt das Stäbchen an der Innenseite des Arms unsichtbar unter der Haut. Sein Pearl-Index ist fast Null.
Pille danach
Oh Schreck, das Kondom ist geplatzt! Innerhalb von 48 Stunden nach ungeschütztem Verkehr kann die verschreibungspflichtige „Pille danach“ eingenommen werden. Sie ist eine Notfalllösung und verhindert auf zweierlei Weise eine Schwangerschaft. Eine hohe Gestagendosierung oder die Kombination von hochdosiertem Estrogen und Gestagen lässt den nächsten Eisprung ausfallen. Das ist interessant, wenn der Verkehr vor dem Eisprung stattgefunden hat. War er danach, verhindern die Hormone die Einnistung einer möglicherweise schon befruchteten Eizelle in der Gebärmutter.
Die „Pille danach“ wirkt vor dem Einnisten der Eizelle und ist daher keine „Abtreibungspille“. In Deutschland ist der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch mit dem Wirkstoff Mifepriston, früher RU 486, zugelassen. Dieses Medikament ist nicht in der Apotheke erhältlich, sondern unterliegt einem besonderen Vertriebsweg: Es wird vom Hersteller nur an Einrichtungen geliefert, die zum Schwangerschaftsabbruch berechtigt sind.
Verhüten ohne Hormone
Frauen, die Hormonpräparate nicht nehmen dürfen oder nicht nehmen möchten, können von den mehr als zehn Verhütungsmethoden nur noch auf wenige zurückgreifen. Die Spirale wird nicht jeder Arzt bei jungen Frauen mit Kinderwunsch einsetzen wollen, Pessare und Diaphragma sind einigen im Liebesspiel zu lästig. Verhütungszäpfchen mit samenabtötendem Wirkstoff sind relativ unsicher. Der große Vorteil von Kondomen ist der Schutz vor Infektionen.
Das Kondom für die Frau
Kondome aus Tierhäuten oder Fischblasen sind schon seit dem Mittelalter bekannt. Für den Schutz war immer der Mann zuständig. Zum Schutz vor ungewollter Schwangerschaft oder Ansteckung kann nun auch die Frau aktiv werden. Frauenkondome oder Femidome sind die Alternative zu den allseits bekannten Kondomen für Männer. Das Prinzip ist gleich: Schutz durch einen dünnen „Beutel“ aus Latex oder Kunststoff. Das Femidom liegt als zweite Haut in der Scheide und verschließt den Spermien den Zugang zum Muttermund. Die Sicherheit ist mit einem Pearl-Index von 15 bis 25 niedriger als bei der Anwendung eines Männerkondoms, doch soll sie durch Übung verbessert werden können. Es ist in Deutschland noch nicht verfügbar, Apotheken können es aber aus den Niederlanden importieren.
Fruchtbare Tage erkennen
Keine Verhütungsmethode im engeren Sinne ist die Hormonbestimmung im Urin, durch die fruchtbare und unfruchtbare Tage festgestellt werden können. Ein kleiner Computer ermittelt im ersten Anwendungsmonat aus 16 Urinproben den Gehalt an Gelbkörperhormon. Steigt dieser spezielle Hormonspiegel an, erfolgt 24 bis 36 Stunden später ein Eisprung. In den folgenden Zyklen errechnet der Computer aus nur noch acht Messungen die fruchtbaren Tage und zeigt sie durch ein rotes, die unfruchtbaren durch ein grünes Licht an. Mit einem Pearl-Index von 6 liegt die Sicherheit der Methode zur Verhütung nur im mittleren Bereich. Eine Hilfe kann der Computer, der schon einige Zeit auf dem Markt ist, bei ausdrücklichem Kinderwunsch sein.
Pille für den Mann - warum ist das so schwierig?
Die Pille verhindert einmal im Monat den Eisprung. Eine Pille für den Mann müsste mehr können, denn die Hoden produzieren täglich mehrere Millionen Spermien. Diese Produktion kann mit Gestagenen verhindert oder zumindert verringert werden. Durch die Behandlung mit weiblichen Hormonen sinkt aber auch der Anteil an dem männlichen Hormon Testosteron. Die Folgen mag kein Mann gerne auf sich nehmen: Verringerte Libido und Muskeln sowie eine geschwächte Potenz sind möglich. Nur mit Testosteron-Spritzen kann diese Erscheinung aufgehalten werden, aber das würde bedeuten, regelmäßig den Arzt aufzusuchen. Zur Zeit versuchen Forscher sowohl Gestagene, wie auch Testosteron in Arzneiformen unterzubringen, die für die Männerwelt akzeptabel und bezahlbar sind.
Nur wenn die schon produzierten Spermien gereift sind, können sie eine Eizelle befruchten. Parallel zur Verhütung mit Hormonen wird versucht, eine Möglichkeit zu finden, diese Samenreifung zu unterbinden. Selbst wenn nur noch unbewegliche oder entstellte Spermien produziert würden, hätte das einen verhütenden Effekt. Doch die Weiterentwicklung von Zufallsentdeckungen oder Genforschung wird noch eine Weile dauern.
| Hitliste der Verhütungsmittel in Deutschland1 | |
|---|---|
| Wie viele verhüten wie? | |
| Antibabypille | 55 % |
| Kondom | 36 % |
| Spirale | 12 % |
| Sterilisation (Mann oder Frau) | 4 % |
| Implantat | 1 % |
| Dreimonatsspritze | 1 % |
| Pille danach: 14 Prozent der 20- bis 30jährigen haben sie schon ein- oder mehrmals eingenommen. | |
| 1 Repräsentative Umfrage an 1.500 Männern und Frauen zwischen 20 und 44 Jahren, Mehrfachnennungen möglich. Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, August 2003. | |
Alle Angaben zur Notfall-Verhütung mit der ‚Pille danach’, der ‚Spirale danach’ oder dafür ‚geeigneten normalen Pillen’ beruhen auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Achtung: Keine Notfall-Verhütungsmethode ist 100prozentig sicher! Bitte wenden Sie sich deshalb nach Möglichkeit immer an Ärztinnen / Ärzte (für Frauenheilkunde) in einer Praxis, Klinik oder einer Beratungsstelle.
