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Zur Notfall-Verhütung taugt – hoch genug dosiert – auch die ganz „normale“ Pille
„Pille“ vergessen, Kondom gerissen – was nun?
von Dr. med. Daniela Kandels
Die wenigsten wissen: Pille oder Spirale können auch im Nachhinein eine ungewollte Schwangerschaft verhindern. Hier ist Aufklärung durch den Arzt gefragt.
08.12.03 - 130000 Schwangerschaftsabbrüche pro Jahr allein in Deutschland, 22000 der betroffenen Frauen sind Teenager – die Zahlen machen deutlich: Allen zur Verfügung stehenden Verhütungsmitteln zum Trotz ist ungeschützter Verkehr häufig, gerade bei jungen Mädchen. Ursachen gibt es viele: Unsicherheiten beim Handhaben der Verhütungsmittel – besonders beim „ersten Mal“ –, Einfluss von Alkohol oder Drogen, schlichter Leichtsinn oder schlimmstenfalls eine Vergewaltigung.

Experten-Schätzungen zufolge könnte durch konsequente Notfall-Verhütung diese Zahl auf die Hälfte reduziert werden und damit auch die Gewissenskonkflikte, Ängste und psychischen Traumatisierungen, unter denen die ungewollt schwangeren Frauen zu leiden haben. Doch welche Möglichkeiten zur Notfall-Verhütung es gibt, ist vielerorts gar nicht bekannt – hier tut Aufklärung Not, die möglichst bereits im Vorfeld und auch vom Arzt geleistet werden sollte.

Die Nidation wird verhindert – mit 90-prozentiger Erfolgsrate

Am bekanntesten ist die so genannte „Pille danach“, die hoch dosiertes Levonorgestrel enthält. Die damit erzeugte „Hormonschwemme“ im Körper der Frau verhindert das Einnisten einer eventuell befruchteten Eizelle. Wichtig ist, die erste Tablette früh, möglichst innerhalb der ersten 48 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr einzunehmen, gefolgt von einer zweiten Tablette im Abstand von zwölf Stunden.

Der selbe Effekt lässt sich aber auch mit vielen ganz „normalen“ Antibabypillen erzielen. Um entsprechende Hormonkonzentrationen zu erreichen, müssen jedoch deutlich mehr Tabletten geschluckt werden (vergleiche Tabelle „Notfall-Präparate“).

Der Wirkmechanismus ist der gleiche wie bei der „Pille danach“, und auch die Nebenwirkungen sind identisch: In erster Linie muss mit Übelkeit und Erbrechen, Brust-, Kopfschmerzen oder leichten Blutungen gerechnet werden. Daher sollten die Tabletten nicht auf leeren Magen eingenommen werden. Übergibt sich die Frau innerhalb von zwei Stunden nach der Einnahme, muss die Einnahme wiederholt werden, da sonst die Gefahr besteht, dass keine ausreichenden Hormonmengen aufgenommen wurden.

Trotz allem sollte die Notfall-Verhütung jedoch das bleiben, was ihr Name besagt: eine Verhütungsmethode, die dem Notfall vorbehalten ist. Die Methode eignet sich nicht zur spontanen Verhütung, wenn man beispielsweise nur selten Sex hat. Als Abschreckung dürfte hier die massive Übelkeit dienen, mit der die Notfall-Verhütung erkauft wird. Außerdem muss ganz klar gesagt werden, dass dieses Verfahren keinen 100-prozentigen Schutz bietet: Es verhindert im Durchschnitt neun von zehn Schwangerschaften.
Eine weitere Option: Wurde der Zeitraum zur hormonellen Notfall-Verhütung überschritten, besteht noch bis ungefähr fünf Tage nach einer Verhütungs-Panne die Möglichkeit, durch Einsetzen einer Kupferspirale das Einnisten eines befruchteten Eis zu verhindern.


ÄP-SERVICE

Notfall-Päparate

Diese Mittel sind auch zur Verhinderung einer Schwangerschaft im Notfall geeignet: Tabelle im pdf-Format zum Download.


WWW-TIPP

Hier gibt’s online Infos zur Verhütung

Ausführlich beschäftigt sich die Website www.notfall-verhuetung.info mit dem Thema, wie eine ungewollte Schwangerschaft nach ungeschütztem Sex verhindert werden kann. Aber auch sonst gibt diese Seite übersichtlich und gut verständlich Antworten auf viele Fragen rund um Sexualität, Schwangerschaft und Verhütung – ein Surftipp, den Sie besonders jüngeren Patientinnen getrost warm ans Herz legen sollten ...




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Alle Angaben zur Notfall-Verhütung mit der ‚Pille danach’, der ‚Spirale danach’ oder dafür ‚geeigneten normalen Pillen’ beruhen auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Achtung: Keine Notfall-Verhütungsmethode ist 100prozentig sicher! Bitte wenden Sie sich deshalb nach Möglichkeit immer an Ärztinnen / Ärzte (für Frauenheilkunde) in einer Praxis, Klinik oder einer Beratungsstelle.